Hans Kruse war 1421 an der Wegnahme des Schiffes von Clawes Selandesvarer beteiligt.[1]

Leben

Namensvarianten: Cruse, Kruze, Crawsze, Crossen, Crusen, Krosse, Crosse, Cruze, Cruzen

Lebensdaten: um 1420.

Herkunft: Oldenburger Land (Ostholstein)[2], Bürger von Burg [3] 

Tätigkeitsgebiet: Trave [4] [5], möglicherweise Danzig [6][7][8][9][10]  , möglicherweise Dänemark[11] 

Verwandtschaft: eventuell Sohn von Claus Kruse [12], möglicherweise Bruder von Heinrich Krosse [13] 

Tätigkeiten

Aktivitäten als Gewaltakteur:

Hans Kruse entwendete 1421 gemeinsam mit Peter DoreMichel HollanderPeter RenwerdesClawes GudermanHinrich GudermanPeter GoldClawes SchutteClawes MertensPetrus Johan soneMarquardReymer und Vicke dem Schiffer Clawes Selandesvarer das Schiff . Er fungierte in dieser Gewaltübernahme als Hauptmann.[14]

Dass Schiff von Clawes Selandesvarer war aus der Trave gesegelt und transportierte stralsundische, lübische und greifswaldische Waren. Aus diesem Grund kontaktierten Stralsund und Greifswald im Zusammenhang mit dem Vorfall die Stadt Lübeck. Lübeck sollte eine Nachricht an die "Holstenherren" senden, um zwischen den Parteien zu vermitteln und die Rückgabe der entwendeten Güter zu erwirken. [15]

Hans Kruse wurde zusammen mit den oben aufgeführten Gewaltakteuren in Wismar gefangen genommen.[16]

In einem Schreiben von 1376 beklagt sich Heinrich Krosse , dass sein Bruder Hans Krosse in Danzig wegen Seeräuberei festgenommen wurde.[17] Es ist unwahrscheinlich aber möglich, dass es sich hierbei um eine Namensvariante von Hans Kruse handelt.

Status: Hauptmann [18]

Fahrgemeinschaften:  Peter DoreMichel HollanderPeter RenwerdesClawes GudermanHinrich GudermanPeter Gold, Clawes SchutteClawes MertensPetrus Johan soneMarquardReymer und Vicke.

Auftraggeber: Marquard van SicgemBrüder van AneueldeGerd van Kotelberge und Breide Rantzowe.[19]

Geschädigte: Clawes Selandesvarer

Angaben zu Schiff und Besatzung: Die Schnigge, mit welcher die Schiffnahme verübt wurde, gehört Michel Hollander.[20]

Sonstige Tätigkeiten:

Ein gewisser Hans Kruse wird 1440 als Bote von Danzig für mehrere Briefwechsel mit Holland herangezogen.[21] [22]Zudem wird er auch 1442 als Bote für eine Korrespondenz zwischen Danzig und dem Kaufmann zu Brügge [23] und außerdem als Bote zwischen Danzig und Johann Meideburg [24] genannt. Es ist nicht sicher, ob der Bote aus Danzig derselbe Hans Kruse ist, der 1421 Clawes Selandesvarers Schiff genommen hat.

Der Rath von Stralsund bittet 1461 den Rath von Lübeck, dass ein Schiffer namens Hans Cruse neun Tonnen Salz ersetzt, die er weniger abgeliefert habe. Obwohl ihm mehr gegeben wurde.[25]

Betram von Rentelen schreibt 1962 an den Rath von Lübeck, damit dieser wegen eines bei Fehmarn genommen Schiffs den Rath von Danzig kontaktiert und erwähnt in diesem Zusammenhang auch einen Hans Kruse.[26] Eine andere Quelle aus dem selben Jahr nennt Hans Kruse als einen von drei Bügern, die den Rath von Burg aufgesucht haben, um mehrere ihnen geraubte und nach Danzig gebrachte Güter wiederzuerlangen.[27]

Der Name Hans Cruse wird 1465 in einem Schreiben von König Christian von Dänemark an Lübeck erwähnt. [28] König Christian schreibt zwei Briefe an den Rath von Lübeck , in denen er dem Bischof von Abo und Erich Axelsson befiehlt genommene Lübeckische Güter zurück zu geben.[29] Es ist möglich, dass ein anderer Hans Kruse gemeint ist.

Dokumentation der Recherche

Ohne Ergebnis gesucht in:

HR 1,1 - 1,6.

HR 1,8.

HR 2,1.

HR 2,3 - 2,4.

HR 2,6 - 2,7.

HUB 5 - HUB 9.

LUB 7-9.

Sonstiges

Die Übernahme von Clawes Selandesvarers Schiff stand ebenso wie der daraus resultierende Schriftverkehr zwischen Stralsund, Greifswald und Lübeck vor dem Hintergrund eines Konflikts zwischen den Herzogtümern Schleswig und Holstein und der skandinavischen Union.[30] Die skandinavischen Königreiche Schweden, Norwegen und Dänemark hatten sich 1397 unter König Erik, bzw. seiner Großtante Margarete, zu einem Unionskönigtum, der Kalmarer Union, zusammengeschlossen.[31] Da König Erik in den Folgejahren immer wieder territoriale und machtpolitische Ansprüche auf das Herzogtum Schleswig stellte, schlossen sich auch die Herzogtümer Schleswig und Holstein zusammen und erklärten Erik 1410 den Krieg.[32] Dieser Krieg, der insgesamt 25 Jahre andauerte, wurde Anfang des 15. Jahrhunderts auch auf See ausgetragen. Weil sich die kriegerischen Auseinandersetzungen zunehmend negativ auf den Handel auswirkten, bemühten sich die Hansestädte (Lübeck), um eine Beilegung des Konflikts. [33] Die Friedensverhandlungen führten zu einem Waffenstillstand, der immer wieder gebrochen wurde.[34] So fielen beispielsweise am 9. Juli 1420 dänsiche Truppen auf der Insel Fehmarn ein.[35] Dies ist im Kontext der Übernahme von Clawes Selandesvarers Schiff insofern interessant, dass mehrere der namentlich genannten Gewaltakteure aus der Gegend um Fehmarn stammten. Trotz der Invasion von Fehmarn wurden die Friedensverhandlungen auch im Jahr 1421 fortgeführt. Möglicherweise steht der Briefwechsel zwischen Stralsund, Greifswald und Lübeck im Zusammenhang mit diesen Friedensbemühungen. [36]

Quellen

LUB 6, Nr. 366.

HR 1,7, Nr. 400.

HR 1,7, Nr. 401.

HR 1,7 , Nr. 402.

HR 2,2 Nr.411.

HR 2,2 Nr.413.

HR 2,2 Nr. 532.

HR 2,2 Nr. 535.

HR 2,5 Nr . 636.

HUB 4 Nr. 574.

LUB 10 Nr. 67.

LUB 10, Nr. 245.

LUB 10, Nr. 259.

LUB 10 Nr. 666.

Literatur

Clarus, Nicolai: Bartholomäus Voet und die Freibeuter der Hansezeit. Untersuchungen zum Kaperwesen im Nordeuropa des 15. Jahrhunderts, Hamburg 2012.

Einzelnachweise


  1. LUB 6, Nr. 366.

  2. Vgl.: LUB 6, Nr. 366.

  3. Vgl.: LUB Nr. 259.

  4. Vgl.: HR 1, 7 Nr. 400-402

  5. Vgl.: LUB 6, Nr. 366.

  6. Vgl.: HR 2,2 Nr.411.

  7. Vgl.: HR 2,2 Nr. 413.

  8. Vgl.: HR 2, 2 Nr. 532.

  9. Vgl.: HR 2,2 Nr. 535.

  10. Vgl.: HUB 4 Nr. 574.

  11. Vgl.: HR 2,5 Nr. 636.

  12. Vgl.: Clarus: Bartholomäus Voet , Hamburg 2012, S.91.

  13. Vgl.: HUB 4 Nr. 574.

  14. Vgl.: LUB 6, Nr. 366.

  15. Vgl. HR 1,7 Nr. 400-402.

  16. Vgl.: Clarus: Bartholomäus Voet, Hamburg 2012, S.90.

  17. Vgl.: HUB 4 Nr. 574.

  18. Vgl.: LUB 6, Nr. 366.

  19. Vgl.: LUB 6, Nr. 366.

  20. Vgl.: LUB 6, Nr. 366.

  21. Vgl.: HR 2,2 Nr.411.

  22. Vgl.: HR 2,2 Nr. 413.

  23. Vgl.: HR 2, 2 Nr. 532.

  24. Vgl.: HR 2,2 Nr. 535.

  25. Vgl.: LUB 10 Nr. 67.

  26. Vgl.: LUB 10, Nr. 245.

  27. Vgl.: LUB Nr. 259.

  28. Vgl.: HR 2,5 Nr. 636.

  29. Vgl: LUB 10, Nr. 666.

  30. Vgl.: Clarus: Bartholomäus Voet, Hamburg 2012, S. 89.

  31. Vgl.: Clarus: Bartholomäus Voet, Hamburg 2016, S. 54-55.

  32. Vgl.: Clarus: Bartholomäus Voet, Hamburg 2016, S. 60.

  33. Vgl.: Clarus: Bartholomäus Voet, Hamburg 2016, S.73.

  34. Vgl.: Clarus: Bartholomäus Voet, Hamburg 2016, S. 72-75.

  35. Vgl.: Clarus: Bartholomäus Voet, Hamburg 2016, S. 74.

  36. Vgl.: Clarus: Bartholomäus Voet, Hamburg 2016, S.89.

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